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Winterzelten: Mehr Ausrüstung für angenehme Wärme

Zelten in Eis und Schnee ist eine wirklich einmalige Erfahrung, die jeder Wintersportbegeisterte und/oder Campingfan mal erlebt haben sollte. Aber: Die Standard-Sommerausrüstung wird bei diesen Verhältnissen überstrapaziert, denn sie ist in der Regel nur für entsprechende Temperaturen ausgelegt.

Wintercampen im Wohnmobil oder Wohnwagen? Das können sich ja viele Naturhungrige noch gut vorstellen, etwa in Form des bekannten Wintercampings am Ossiacher See. Aber im Winter zelten? Nur durch eine dünne Stoffwand vor Wind, eisigen Temperaturen, vielleicht Regen oder sogar Schnee getrennt? Nun, was vielleicht auf den ersten Blick nicht wirklich verlockend klingt, kann sogar für spannendere Erinnerungen sorgen, als jeder Campingtrip während des Sommerhalbjahres. Allerdings ist es dafür notwendig, sich im Vorfeld noch tiefer mit der nötigen Ausrüstungsmaterie zu befassen. Denn mit Zelt und Schlafsack vom Discounter, die im Sommer noch völlig ausreichen, wird Zelten bei frostigen Temperaturen nicht nur ungemütlich, sondern auch gefährlich.


Check 1: Der Schlafsack

Das mit Abstand wichtigste Ausrüstungsstück fürs Winterzelten ist ein optimaler Schlafsack. Hier kommt wirklich auch in Zeiten von High-Tech-Materialien nur eine Füllung in Frage - die mit Daunen.

Des Weiteren muss wesentlich mehr auf die Temperaturbereiche des Schlafsacks geachtet werden, ganz besonders auf den sogenannten TComf. Das ist der Komfortbereich, angegeben in Grad Celsius, bis zu dem es sich noch angenehm im Schlafsack aushalten lässt. Zwar gibt es auch noch den TLimit, der einen tiefer liegenden Grenzwert vorgibt -–allerdings ist der Schlafsack dann keineswegs mehr komfortabel. Und der TExtrem sagt sowieso nur die tiefste Temperatur aus, bis zu der es sich im Schlafsack überleben lässt.

Doch diese beiden zuletzt genannten Werte sind nur etwas für Bergsteiger und andere Extremsportler. Fürs Winterzelten in „gemäßigten“ österreichischen Gebieten reicht ein qualitativ hochwertiger Markenschlafsack. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass er für „Season 4“ geeignet ist – also den Winter auch bei Schnee und Eis.

Ein guter Winterschlafsack engt nicht ein, ist aber auch kaum größer als sein Bewohner. Geschlechtsspezifische Modelle können deshalb eine interessante Option sein, weil sie auf den unterschiedlichen Körperbau von Mann und Frau Rücksicht nehmen.

Ebenfalls wichtig: Der Schlafsack sollte von der Größe „gerade eben“ passen. Denn jeden Kubikzentimeter unbenutzten Raum muss der Körper mitheizen. Das kostet nicht nur Energie, sondern sorgt auch dafür, dass es ewig dauert, bis einem abends warm wird – im schlechtesten Fall die ganze Nacht. Das sollte nicht dazu führen, dass man eingeengt wird. Etwas Bewegungsfreiheit sollte bleiben – und auch ein wenig Raum im Fußbereich, damit man dort Kleidung oder eine Wärmflasche unterbringen kann (siehe Check 7: Tipps & Tricks).


Check 2: Die Isomatte

Schon beim normalen Zelten im Sommer kann die Kühle des Bodens für morgendlich schmerzende Camper-Rücken sorgen. Im Winter multipliziert sich dieser Faktor noch. Schuld ist das eigene Körpergewicht: Das drückt nämlich die Füllung des Schlafsacks an der Unterseite zusammen. Und wo zwischen den Daunenfedern keine Luft mehr vorhanden ist, kann sich auch kein schützendes Wärmepolster aufbauen.

Deshalb gilt bei der Isomatte im Winter: Je dicker, desto besser. Dabei kann man entweder auf spezielle (aber teure) Isomatten aus dem Profibereich setzen, die gleich einige Zentimeter dick sind. Oder eben mehrere dünne Matten aufeinanderstapeln. Letztere Variante eignet sich aufgrund der sperrigen Packmaße jedoch nicht mehr dazu bei Wanderungen mitgeführt zu werden, schlägt dafür aber weniger aufs Portemonnaie.

Je dicker die Isomatte, desto mehr luftgefüllte Poren befinden sich in dem Schaumstoff-Material. Und diese sorgen dafür, dass ein wärmendes Polster entsteht.

Auch bei der Isomatte gibt es wieder einen nummerischen Wert, nach dem man sich richten kann, den sogenannten R-Wert oder auch Wärmedurchgangskoeffizent. Für eine Isomatte, die auf einem gefrorenen Boden liegt, sollte es deshalb mindestens ein R-Wert von 4 sein - 5 wäre besser.

Von großem Vorteil für Sparfüchse, die mit mehreren dünnen Matten arbeiten wollen: Der R-Wert lässt sich einfach aufaddieren. Drei Matten der Klasse 2 ergeben auch einen Wert von 6 und sind somit absolut schneetauglich.


Check 3: Das Zelt

Ohne Dach über dem Kopf kommt bei einer winterlichen Nacht im Freien kaum Gemütlichkeit auf. Doch auch hier gilt: Längst nicht jedes Zelt ist für so niedrige Temperaturen geeignet. Die wichtigsten Schwerpunkte aus der langen Liste von Zeltanschaffungs-Kriterien liegen in diesem Fall bei:

  • Sehr stabiler Konstruktion, um auch Schneelasten auszuhalten
  • Hoher Windstabilität, weswegen sich Kuppelzelte am ehesten eignen
  • Einer hohen Wassersäule (mindestens 1500mm) um gegen Starkregen und Schmelzwasser gewappnet zu sein

Beim Gestänge sollte statt auf die üblichen günstigen Glasfiber-Stangen lieber auf Aluminium gesetzt werden. Das ist stabiler und leidet nicht so unter Kälte. Obendrein verbiegt sich Alu bei zu großer (Schnee-) Last nur, wohingegen andere Materialien dann eher zum Brechen neigen.

Übrigens sollte auch bei den Erdnägeln auf hochwertige Materialien gesetzt werden: Kunststoff scheidet gänzlich aus, denn der bricht zu schnell. Stahl ist robust aber schwer, Alu hingegen leichter aber eben auch teuer. Wichtig ist jedoch (wie bei allen Metallen bei Kälte), dass diese ummantelt oder eloxiert sind. Sonst besteht die reale Gefahr, beim Berühren mit blanker Haut daran festzufrieren.

Profis wie Bergsteiger und andere Winter-Experten nutzen praktisch ausschließlich Kuppelzelte. Die sind selbsttragend und zudem aufgrund ihrer symmetrischen Konstruktion wesentlich stabiler als andere Bauformen.

Ebenfalls wichtig: Auch wenn es romantisch erscheint, sein Zelt unter schneebedeckten Tannen oder anderen Bäumen aufzuschlagen, sollte davon unbedingt Abstand genommen werden: Herabfallender Schnee hat schon so manches Zelt zerstört.


Check 4: Zeltunterlage

Ganz gleich, auf welchem Untergrund das Zelt steht, wird bei Schnee und Eis durch eine zu hohe punktuelle Belastung – und das kann schon Knien sein – der Zeltboden durch ein Steinchen o.Ä. penetriert, wird es unangenehm. Und die übliche Vorgehensweise guter Zeltplatzfindung, vor dem Aufbau den Untergrund zu bereinigen, fällt je nach Schneehöhe meist gänzlich aus.

Aus diesem Grund sollte das Zelt immer auf einer entsprechend großen und dicken Unterlage aufgestellt werden. Dazu reichen schon günstige Kunststoffplanen aus dem Baumarkt.

Wer etwas mehr Geld ausgeben möchte, kann sich auch einen sogenannten Footprint zulegen. Das ist eine spezielle Zeltunterlage, die ihrerseits auch nochmal dämmt und somit die Bodenkälte davon abhält, überhaupt ins Zelt zu gelangen. Zudem erhöht das den Liegekomfort nochmals.

Bei sehr hohem Schnee muss allerdings vorgearbeitet werden, denn sonst würde das Zelt unweigerlich durch das Gewicht seiner Bewohner einsinken. Praktikabel ist es, mit Schneeschuhen, notfalls auch Skiern oder Snowboard, den Untergrund vorher ordentlich festzustampfen.


Check 5: Stirnlampe

Beim Sommerzelten reicht eine Taschenlampe, denn lange dunkel ist es sowieso nicht. Im Winter hingegen kann es durchaus sein, dass man die größte Zeit im Zelt bei Dunkelheit verbringen muss. Da wird es wichtig, mit freien Händen ausreichend Licht zur Verfügung zu haben – das liefern nur Stirnlampen, die es schon für wenige Euro gibt. Allerdings: Es sollte darauf geachtet werden, dass Lampe und Ersatzbatterien am besten im Schlafsack gelagert werden. Die Kälte im restlichen Zelt würde sonst die Energiespender schnell entladen.


Check 6: Campingkocher

Es ist kaum zu unterschätzen, wie wichtig warme Speisen im Winter sein können: Eine Tasse Tee, eine warme Suppe, um nur einige zu nennen. Bloß: offenes Feuer fällt beim Winterzelten aus. Etwa, weil es auf dem Platz schlicht verboten ist, oder weil es ziemlich schwierig ist, auf Schnee ein Feuer zu entfachen.

Das Problem ist: Die sonst bei Campern so extrem beliebten Kocher mit Gasflasche oder –kartusche fallen bei Minusgraden sämtlich aus der Wahl, da das Gas in seinem Behälter flüssig bleibt. Butan etwa vergast schon bei -0,5°C nicht mehr. Propan bereits bei 0°C.

Bei Benzinkochern muss der Brennstoff vor dem Anzünden erst durch eine kleine Handpumpe unter Druck gesetzt werden. Allerdings rußt er sehr viel stärker, als Gaskocher.

Aus diesem Grund wird fürs Winterzelten ein Benzinkocher benötigt. Der wird, wie der Name schon sagt, mit normalem Ottokraftstoff betrieben. Seine Unterhaltung ist wesentlich aufwändiger: Er muss vorgeheizt und regelmäßig von Ruß befreit werden.

Extrem wichtig: Der Benzinkocher darf niemals im Zelt betrieben werden, weil dann die große Gefahr einer tödlichen Kohlenmonoxidvergiftung besteht!

Muss der Kocher draußen im Schnee aufgestellt werden, ist darauf zu achten, dass er auf einer stabilen Unterlage steht (etwa mehrere Holzscheite), damit er weder umkippt noch einschmilzt.


Check 7: Tipps & Tricks

Winterzelten soll Spaß machen. Deshalb sollten die folgenden Punkte besonders beherzigt werden.

  • Packsäcke von Zelt und Schlafmatte sowie Kleidung gehören unter die Isomatte. Das erhöht nicht nur die Isolation, sondern schafft auch Stauraum im Zelt.
  • Ein Schlafsack-Inlet (quasi ein Schlafsack im Schlafsack) erhöht die Wärmedämmung und verhindert gleichzeitig, dass ausdunstende Körperfeuchtigkeit in die Daunen eindringt und sie somit verklebt (und die Isolation reduziert).
  • Der Zelteingang sollte immer von der Wetterseite abgewandt sein. Das verhindert, dass Wind durch die Reißverschlüsse dringt und auch, dass einem beim Öffnen gleich ein Regenguss ins Gesicht läuft.
  • Wer Probleme mit kalten Füßen hat, sollte auf dem Kocher Wasser erhitzen (nicht kochen), es in eine Trinkflasche füllen, diese mit einem T-Shirt umwickeln und ins Fußende des Schlafsacks stecken. Wenn das noch nicht reicht, kann das Fußteil auch von außen noch in eine geschlossene Fleecejacke gesteckt werden.
  • Im Schlafsack selbst sollte nur lange Unterwäsche getragen werden, sofern man sich damit wohlfühlt. Die Oberbekleidung sollte jedoch ebenfalls hineingesteckt werden. Das verhindert, dass man morgens in eiskalte Klamotten steigen muss.
  • Alkohol sollte vor dem Schlafengehen ein absolutes Tabu sein: Das vorgebliche Wärmegefühl resultiert nämlich nur daraus, dass sich vom Alkohol die Blutgefäße weiten – in Wirklichkeit kühlt der Körper also aus, auch wenn es sich genau andersherum anfühlt.

So bitte nicht: Je mehr Bäume im unmittelbaren Zelt-Umfeld stehen, desto größer das Risiko, dass sich davon Schneemassen lösen und auf das Zelt fallen – mit verheerenden Folgen.

Wer sich an diese Regeln hält, dem wird auch im schneereichsten Campingwinter der Spaß im Zelt nicht vergehen. Ein Tipp aber noch zum Schluss: Damit es während längerer Zeit im Zelt nicht langweilig wird, sollte auch ein gutes Buch mit zur Ausrüstung gehören – das braucht nämlich keine Batterien.